Richtigstellung zum Artikel „Semper apertus?“

Der ruprecht hat in seiner letzten Ausgabe (Mai 2016) im Artikel „Semper apertus?“ u.a. uns Fragen zum Hochschulzugang für Geflüchtete gestellt.
Leider mussten wir feststellen, dass im Artikel grob fahrlässige Verallgemeinerungen enthalten sind, die dem komplexen Thema nicht gerecht werden.
Bildschirmfoto 2016-05-26 um 13.29.58
(Ihr könnte den Artikel  hier  auf Seite 4 nachlesen.)
Dieses richtig zu stellen, um möglichen Konsequenzen (für Geflüchtete) aufgrund dieser Fehlinformationen vorzubeugen, ist uns ein wichtiges Anliegen.
Wir bedauern es sehr, dass trotz mehrmaliger Aufforderung, sich zwecks Recherche auch an die entsprechenden Institutionen selbst zu wenden, dies offensichtlich nicht getan wurde. Wie bereits im Interview an verschiedenen Stellen angemerkt, sind beispielsweise im Bereich der finanziellen Unterstützung Verallgemeinerungen besonders gefährlich. Hier handelt es sich immer nur um Einzelfallprüfungen – welche Kriterien dem Entscheidungsprozess zugrunde liegen, ist uns nicht bekannt. Es besteht für Geflüchtete, anders als durch den Artikel suggeriert, kein allgemeingültiger Anspruch auf Leistungen wie BAföG, eine Unterstützung im Rahmen der Freitische des Studierendenwerks oder bei der Kaution für einen Wohnheimsplatz.
Dies betrifft auch die Gasthörerschaft: eine Befreiung von den Gebühren kann durch einen formlosen Härtefallantrag beantragt werden, dem in den uns bekannten Fällen stattgegeben wurde. Von offizieller Seite (z.B. auf der Internetseite der Universität Heidelberg) gibt es hierzu allerdings keine verbindliche Stellungnahme bzw. Informationen für Geflüchtete.
Essentiell ist auch die Richtigstellung, dass natürlich nicht nur anerkannte Geflüchtete ein Studium aufnehmen können. Die Aufnahme eines Studiums ist theoretisch unabhängig vom rechtlichen Status möglich (Geflüchtete können sich genau so wie andere internationale Studieninteressierte bewerben), auch wenn die Ausländerbehörde dies faktisch verwehren kann.
Bezüglich der Hilfsangebote der Fakultäten wurden offensichtlich die Informationen der Uni-Seite übernommen, ohne diese zu überprüfen. So finden beispielsweise die vom Institut für Deutsch als Fremdsprache (IDF) angebotenen Sprachkurse unserer Erkenntnis nach nicht mehr statt. Auch die weiteren auf der „Flüchtlingshilfe“-Webseite aufgelisteten Angebote befinden sich derzeit noch im Aufbau, Kontaktinformationen sind nicht verfügbar und damit die Angebote für Geflüchtete nicht zugänglich.
Zum Schluss noch eine Anmerkung, die wir selbst erst nach Redaktionsschluss erhalten haben: Für den Besuch des Deutschkurses ist eine Immatrikulation nicht mehr nötig. Inzwischen genügt hierfür auch der Gasthörendenstatus, vorausgesetzt man erhält einen der wenigen Deutschkursplätze. Dies hat den Vorteil, dass Geflüchtete nun während des Deutschkurses weiterhin Sozialleistungen beziehen können, die bei einer Immatrikulation wegfallen würden (Vorteile des Studierendenstatus, wie z.B. die Möglichkeit, ein Semesterticket zu kaufen, bleiben ihnen dagegen in diesem Fall verwehrt).
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