Selbstverständnis

Hierfür steht die Gruppe Offene Uni Heidelberg:

Im Zuge der Migrationsbewegungen nach Europa hat sich im September 2015 eine ehrenamtliche Gruppe zusammengefunden, welche aus Studierenden der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Alumni und Mitarbeiter*innen besteht.

Die Initiative „Offene Uni Heidelberg“ fokussiert sich darauf, die bestehenden ungleichen Voraussetzungen und Benachteiligungen im deutschen Bildungssystem zu thematisieren und diese zu kritisieren – besonders in Bezug auf Geflüchtete. Damit setzt sich die Gruppe für die Umsetzung des Rechts auf Bildung für Alle ein. Wir engagieren uns deshalb dafür, dass universitäre Institutionen die Fluchtumstände (geringe finanzielle Mittel, Verlust von Dokumenten, Traumata, etc.) berücksichtigen, vor allem beim Hochschulzugang. Durch die mangelnde Berücksichtigung dieser Umstände bestehen bisher für Geflüchtete im aktuellen Bewerbungsprozess hohe Hürden bürokratischer, sprachlicher, kommunikativer und finanzieller Natur. Wir möchten helfen diese ungleich hohen Hürden abzubauen, um allen dieselben Chancen auf Bildung zu ermöglichen.

 

Die Benachteiligungen für Menschen mit Migrationsgeschichte müssen in größeren Zusammenhängen gesehen werden. Dieses Bewusstsein ist uns wichtig, hieran knüpfen wir an, benennen Missstände und leiten daraus Prinzipien für unsere Arbeit ab.

 

Recht auf Migration

Zur Geschichte der Menschheit gehört die Geschichte der Migration. Um Lebensumstände für sich und nachfolgende Generationen zu erhalten oder zu verbessern, haben sich die Menschen schon seit jeher von A nach B bewegt und ihre Wohn- und Siedlungsorte verändert. Gerade in heutigen internationalisierten Studienkontexten ist ein häufiger Wohnortwechsel für Menschen mit beispielsweise europäischen Staatsangehörigkeiten eine Selbstverständlichkeit.

Das Recht auf Bewegungsfreiheit und freie Wohnortwahl ist für uns ein Menschenrecht und sollte allen zustehen. Das Menschenrecht auf Migration darf nicht niedriger eingestuft werden als die Privilegien, die mit der eigenen Herkunft einhergehen. Die eigene Herkunft („Nationalität“/Pass) ist ein Produkt des Zufalls, zu dem niemand selbst einen Beitrag geleistet hat.

 

Die aktuelle Asylpolitik der Bundesrepublik und der EU nimmt billigend den Tod von Menschen in Kauf: An den Grenzen der EU sterben jeden Tag unzählige Menschen. Es gibt so gut wie keine legalen Einreisemöglichkeiten nach (Mittel)Europa. Dies zwingt die Menschen den gefährlichen Seeweg zu wählen. Wir lehnen die gegenwärtige Migrationspolitiken Deutschlands und der anderen EU-Länder ab – insbesondere das Konzept von Dublin III mit „sicheren Drittstaaten“, das eine legale Inanspruchnahme des Rechts auf Asyl in der Bundesrepublik faktisch außer Kraft setzt.

Hierzu gehört weiter die beliebige Benennung „sicherer“ Herkunftsländer, die Aussetzung von Familiennachzug, die Ausgestaltung und Umsetzung des gegenwärtigen Asylrechts (Unterbringung in Lagern, Ungewissheit, Sachleistungen etc.). Die Einteilung in „schlechte“ und „gute“ Geflüchtete („Wirtschaftsflüchtlinge“ versus Kriegsflüchtlinge und politisch Verfolgte), die Hierarchisierung nach ethnischen, religiösen oder sozialen Gruppenzugehörigkeiten sowie die Kategorisierung nach Verwertungslogiken („nützliche“ versus „unbrauchbare“ Geflüchtete) lehnen wir ab.

Diese Denkmuster, Vorgehensweisen und Politiken sind menschenverachtend.

 

Rassismus und Rechtsruck

Wir beobachten den wachsenden Rassismus in Deutschland und weltweit und den damit einhergehenden Rechtsruck mit großer Sorge und stellen uns klar gegen jede Form von Diskriminierung wie beispielsweise Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Antiziganismus, Homo-, Inter- und Transfeindlichkeit.

Die Diskriminierungen von Geflüchteten stellen sich nicht nur in direkten Anfeindungen und Angriffen dar, sie finden auch auf struktureller Ebene statt und zeigen sich in der Ungleichbehandlung von Menschen auf Grund von Staatsangehörigkeiten, dem Festhalten in Lagern, Arbeitsverboten, beschränktem Zugang zu Deutschkursen, mangelnden Informationen und Beratung, Sachleistungen, Residenzpflicht, usw.

 

Unser Ansatz

Wir wollen nicht nur Symptome bekämpfen und kurzfristig „helfen“. Wir lehnen paternalistische Strukturen ab und streben das Ideal von Menschen als gleichberechtigte, mündige Mitglieder einer Gesellschaft an. Migrant*innen müssen mit den gleichen Rechten und Chancen ausgestattet werden und dürfen nicht als Bürger*innen zweiter Klasse behandelt werden.

Unter der Prämisse des Menschenrechts auf Bildung und in unserer Vorstellung soll Bildung für alle in gleichem Maße zugänglich sein. Hierzu muss es ein Bildungssystem geben, welches nicht selektiv arbeitet, sondern Chancengerechtigkeit anstrebt und umsetzt.

Wir konzentrieren uns darauf, die bestehenden ungleichen Voraussetzungen und Ungerechtigkeiten für Geflüchtete im deutschen Bildungssystem zu thematisieren und zu kritisieren.

Für uns sind alle Menschen – egal welcher Ausbildung/welchen Abschlusses – wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft. Als (ehemalige) Studierende, (ehemalige) universitäre Mitarbeiter*innen, Dozent*innen und (hochschul)politisch Aktive verorten wir unsere Expertise im „System Universität“ und setzen uns deshalb besonders für Menschen mit der Perspektive Studium ein.

 

Tätigkeitsfelder

Wir informieren, beraten und begleiten Geflüchtete, die einen Hochschulabschluss an einer deutschen Universität anstreben und/oder einen akademischen Hintergrund haben. Seit dem Sommersemester 2016 organisieren wir ein Buddy-Programm, durch welches wir Newcomer und Studierende miteinander in Kontakt bringen konnten. Die Initiative konnte im Rahmen ihres Buddy-Programms im Sommersemester 2016 über 65 Studierende gewinnen. Die Studierenden begleiten und unterstützen die Newcomer bei „Gasthörerschaft“, Sprachkurs und Studium oder der Suche nach geeigneten Weiterbildungsangeboten. Aktuell arbeiten wir mit über 130 jungen Menschen – Studierenden und Geflüchteten – zusammen. Durch die Teilnahme als Gasthörer*innen an Vorlesungen und vor allem am Buddy-Programm kommen die Geflüchteten wieder in Kontakt mit dem universitären Umfeld und können wertvolle Beziehungen und Freundschaften zu Heidelberger Studierenden knüpfen.

Außerdem betreiben wir aktive und gezielte Öffentlichkeitsarbeit und versuchen so, bestimmte Bildungsthemen im Zusammenhang mit Fluchtbiographien zu thematisieren.

 

Beteiligung von Menschen mit Fluchtbiographie

Wir möchten an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass wir nicht für alle Newcomer sprechen können und wollen. Wir kennen die Schieflagen im aktuellen System aus unseren Kontakten, Beratungsgesprächen und vor allem von Berichten aus unserem Buddy-Programm. Dies macht uns aber nicht zu Advokaten für Geflüchtete.

In unseren eigenen internen Strukturen konnten wir es bisher noch nicht umsetzen, dass Newcomer dauerhaft mitarbeiten. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und werden von uns analysiert. Wir arbeiten aktuell daran, Newcomer in unsere Gruppe und in unsere Entscheidungsstrukturen einzubinden.

 

Kooperationen und Zusammenarbeit

Die Gruppe arbeitet ehrenamtlich. Im Rahmen des Buddy-Programms gibt es seit Februar 2016 eine Kooperation mit dem Heidelberger Antidiskriminierungsprojekt Hd.net-Respekt!. Darüber hinaus arbeiten wir mit dem Arbeitskreis Asyl Heidelberg und dem Flüchtlingsrat Baden-Württemberg zusammen.

Die verfassten Studierendenschaften der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Pädagogischen Hochschule Heidelberg unterstützen uns bereits seit Ende 2015. Seitdem besteht zudem eine Zusammenarbeit mit dem Gleichstellungsbüro der PH.

 

Hürden abbauen

Durch die mangelnde Berücksichtigung spezieller Umstände bestehen für Geflüchtete im aktuellen Bewerbungsprozess hohe Hürden und sie werden so massiv benachteiligt. Die Hürden bei der Bewerbung an den Hochschulen sind bürokratischer, sprachlicher, kommunikativer und finanzieller Natur. Diese Hürden sind das Resultat aus dem Flickenteppich nicht zusammenhängender und kurzsichtiger Bildungspolitik für Zugewanderte und stellen eine strukturelle Diskriminierung dar. Sie widersprechen damit dem Menschenrecht auf Bildung.

Um diese Nachteile auszugleichen fordern wir:

  • Leichter zugängliche Informationen zum Hochschulzugang (Bewerbung, erforderliche Dokumente) auf mehreren Sprachen in Print und online
  • Spezielle Informationsveranstaltungen zum Hochschulzugang und Bewerbung für Geflüchtete
  • Besondere Unterstützungsangebote für Frauen
  • Vereinfachung und Offenlegung der Verfahren zur Einzelfallprüfung bei nicht vorhandenen Dokumenten (Hochschulzugang)
  • Bereitstellung von Geldern speziell für Geflüchtete zur Entwicklung von neuen Programmen zur Hochschulbewerbung, Studienfinanzierung, Sprachkurse usw.
  • Beratung bei der Beantragung finanzieller Mittel
  • Unabhängigkeit der Finanzierungsmöglichkeiten von Nationalität, Bleibeperspektive und Status (Gestattung, Anerkennung, Duldung,…)
  • Einführung von Extra-Quoten für Geflüchtete bei der Hochschulzulassung
  • Erhöhung der kostenlosen Plätze in studienvorbereitenden Sprachkursen und am Studienkolleg – unabhängig von Nationalität, Bleibeperspektive und Status
  • Einrichtung spezieller Hinführungsprogramme (z. B. spezielle Vorkurse, Zulassung als Austauschstudierende – mit der Möglichkeit Leistungsnachweise zu erwerben)
  • Kostenlose Gasthörerschaft (und öffentliche Bewerbung derselben)
  • Erlass der Semestergebühren für Geflüchtete
  • Finanzielle Unterstützung bei Fahrtkosten (z. B. kostenloses Semesterticket)
  • Widersprüche zwischen Ausländerrecht und Hochschulrecht beseitigen (z. B. Abstimmung zwischen BaföG und Sozialleistungen, Hochschulzulassung und fehlendes Visum)
  • Freie Wohn- und Studienortwahl

 

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